Vortrag zum Thema „Mythisches Berlin. Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin“ am 24. August 2021 um 18.00 Uhr

Im Rahmen der Vortragsreihe „Ein Jahrhundert diplomatischer Beziehungen aus kulturhistorischer Perspektive“ findet am Dienstag, dem 24. August 2021, um 18:00 Uhr, ein virtueller Zoom-Vortrag unter dem Titel: „Mythisches Berlin: Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin – Einer der glanzvollsten Momente der estnischen Sportgeschichte“ statt. Nach Ihrer Anmeldung per E-Mail embassy.berlin@mfa.ee erhalten Sie die Zoom-Zugangsdaten.

Zum Thema des Vortrags:

Die Anfänge des modernen estnischen Sports lassen sich auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückführen. Der Wettkampfsport entwickelte sich in Estland und den angrenzenden Gebieten relativ schnell mit einer Vielzahl von Sportarten. Der Einfluss des deutsch-baltischen Kulturraums, dem die estnische Sportgeschichte bisher leider wenig Beachtung geschenkt hat, spielte dabei eine große Rolle. Man könnte provokativ behaupten, dass die Esten die hiesigen Deutschbalten bei der Ausübung der meisten Sportarten im 19. Jahrhundert nachahmten. Auch die ersten Sportvereine in Estland wurden von Deutschbalten gegründet, und nach ihrem Vorbild fand zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine „Explosion“ der estnischen Sportvereine statt. Nach dem Freiheitskrieg entwickelte sich die estnische Sportkultur als Teil des internationalen Sportsystems bereits eigenständig. Die Kontakte zu Deutschland blieben jedoch nach wie vor ein wichtiger Einflussfaktor. Das gilt sowohl für die Entwicklung der estnischen Hochschulbildung im Sport als auch für die Turnkultur, die in den 1930er Jahren erneut populär wurde.

Als eine Art symbolischer Höhepunkt der Rolle Deutschlands in der estnischen Sportgeschichte können die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin angesehen werden, die für die Esten zu einem denkwürdigen Ereignis wurden. In seinem Vortrag wird der estnische Sporthistoriker Herr Kaarel Antons darüber sprechen, warum die Berliner Spiele in der estnischen Sportgeschichte eine nahezu mythische Bedeutung erworben haben. Lag es an den medaillenreichen Leistungen einer großen Delegation eines kleinen Landes, an der langen Zeitspanne (mehr als ein halbes Jahrhundert) zwischen den nächsten Olympischen Spielen, an denen Estland als unabhängiger Staat wieder teilnehmen konnte, oder war es einfach der beispiellos hohe und wichtige Stellenwert des Spitzensports in der estnischen Gesellschaft zu dieser Zeit?

Der estnische Sporthistoriker Kaarel Antons ist Schatzmeister des Estnischen Sport- und Olympiamuseums und leitet die Abteilung für das sportliche Erbe des Museums. Seine Forschungsbereiche konzentrieren sich auf das Verhältnis zwischen Sport und Gesellschaft, die frühe Entwicklung von Sportorganisationen und die Fragen der estnischen Sport-Diaspora.

Im Sportmuseum hat er mehrere Ausstellungen kuratiert (unter anderem war er an der Gestaltung der letzten beiden Dauerausstellungen beteiligt). Neben seiner Arbeit für die Sammlungen hat er mehrere Artikel zur Geschichte des Sports verfasst und auf verschiedenen Konferenzen Vorträge zur Geschichte des Sports gehalten. Im Jahr 2018 veröffentlichte er gemeinsam mit Kalle Voolaid ein Gesamtwerk der estnischer Sportgeschichte mit dem Titel „Eesti spordi lugu“ („Historie des estnischen Sports“), das auch als bestes Sportbuch des Jahres 2018 anerkannt und mit dem Preis für wissenschaftliche Publikationen im Wettbewerb der Estnischen Museen ausgezeichnet wurde. Seit 2012 unterrichtet er an der Universität Tartu Sportstudenten im Fach Sportgeschichte.