Vortrag „Estland und das Baltikum in der deutschen Außenpolitik zwischen den beiden Weltkriegen“, 7.10.2021

Der Vortrag von Herrn Dr. Ludwig Biewer schließt eng an die Ausführungen „Estland und das Baltikum in der deutschen Außenpolitik zwischen den beiden Weltkriegen“ an, die Herr Dr. David Feest am 23. September in der Botschaft vortrug. Die deutsche Gesandtschaft in Tallinn/Reval – Botschaften gab es damals und bis in die 1950er Jahre hinein nur zwischen Großmächten bzw. solchen, die sich dafür hielten – in der ersten Zeit der Selbstständigkeit Estlands, der sogenannten Zwischenkriegszeit, gehörte nicht zu den Spitzenpositionen der deutschen Diplomatie in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reiches. Gleichwohl nahm sie in der Außenpolitik jener Jahre sowohl vor als auch nach der Machtergreifung der NSDAP 1933 eine wichtige Stellung ein.

Als Auslandsvertretung fest eingerichtet und etatisiert wurde die Gesandtschaft nach Jahren einer Art Provisorium erst 1923/1924. Ihren Sitz (Kanzlei und Residenz des Gesandten) hatte sie in einem 1890 erbauten Steingebäude in der Straße „Toom Kuninga“, Königstalerstraße, 11, da, wo sich heute die neuerbaute Botschaft der Bundesrepublik Deutschland befindet.Das alte Gesandtschaftsgebäude, dessen Geschichte in dem Vortrag vorgestellt wird, war im Sommer 1942 eine ausgebrannte Ruine und wohl einem Sabotageakt zum Opfer gefallen. – Bis zu großen Aus- und Umbaumaßnahmen 1937 herrschten in dem Haus immer große Raumnot und drangvolle Enge. Dabei war die Zahl der Mitarbeiter stets klein: Neben dem Gesandten gab es noch einen weiteren Beamten des höheren Dienstes, einen Kanzler als einzigen Beamten des gehobenen Dienstes und eine Handvoll weiterer Mitarbeiter: Schreiber, Registrator, Boten, Pförtner und Hausmeister, dazu eine stark schwankende Anzahl an sogenannten Ortskräften. – Im Berichtszeitraum leiteten acht Gesandte die Geschäfte ihrer Auslandsvertretung. Sie werden in dem Vortrag vorgestellt und ihr Wirken mit der gebotenen Zurückhaltung gewertet. Neben „normalen“ Karrierediplomaten wirkten hier auch Persönlichkeiten von allgemeinhistorischer Bedeutung.

 

Der Vortrag, der von Herrn Dr. Ludwig Biewer in der Reihe „100 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Estland und Deutschland“ gehalten wird, findet in der Estnischen Botschaft am Donnerstag, dem 7. Oktober 2021, um 18:00 Uhr statt.

Sie haben die Möglichkeit, dem Vortrag auch online per Zoom zu folgen.

Wir bitten um eine Anmeldung per E-Mail: embassy.berlin@mfa.ee.

 

 

Dr. Ludwig Biewer wurde 1949 in Rheinhessen geboren. Nach dem Abschluss seines Studiums 1977 in Graz und Mainz und der Archivschule Marburg a. d. Lahn im Jahre 1979 arbeitete er im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin (1979-1987) und im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts (1987-2014, von 2003-2014 als Leiter des Archivs).

Von ihm stammen etwa 190 Veröffentlichungen (ohne Rezensionen, s. u.), darunter zwölf Bücher auf den Gebieten Heraldik, Ordensgeschichte, preußische und deutsche Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte, Geschichte Pommerns, Ost- und Westpreußens sowie des Baltikums, Universitäts-, Studentenschafts- und Wissenschaftsgeschichte, zusätzlich etwa 330 Buchbesprechungen auf denselben Gebieten.