Hybridveranstaltung zum Thema „Die Estländische Ritterschaft und die Gründung der Republik Estland 1917-1918“

Im Rahmen der Vortragsreihe anlässlich des 100. Jahrestags der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Estland lädt die Botschaft Sie ein zu einem Präsenz- und Onlinevortrag „Die Estländische Ritterschaft und die Gründung der Republik Estland 1917-1918“ am Donnerstag, dem 9. September 2021, um 18:00 Uhr, in die Botschaft der Republik Estland, Hildebrandstr. 5, 10785 Berlin.

Den Vortrag wird Herr Thomas Frhr. von Dellingshausen auf Deutsch halten.

Anmeldung per E-Mail: embassy.berlin@mfa.ee bis zum 7.09.2021. Bitte geben Sie an, ob Sie in die Botschaft kommen wollen oder online an der Veranstaltung teilnehmen werden, damit wir Ihnen die Zoom-Zugangsdaten zukommen lassen können.

Wenn Sie in die Botschaft kommen, dient diese Einladung als Einlasskarte. Bitte bringen Sie einen Lichtbildausweis mit.
Die Veranstaltung in der Botschaft findet unter Beachtung geltender Abstands- und Hygiene-Auflagen statt. Bitte seien Sie bereit, ein tagesaktuelles negatives Covid-19-Schnelltestergebnis oder einen Impfausweis vorzuzeigen.

Einführung zum Vortrag:

Die Jahre 1917-1918 sind Wendejahre in der Geschichte Estlands, in denen der estnische Nationalstaat nur eine von vier Optionen verfassungsrechtlicher Ordnung war. In ihrer zeitlichen Abfolge gab es die Option einer regionalen Autonomie für Estland innerhalb einer demokratischen russischen Republik (März-Oktober 1917), die Option einer Sowjetrepublik im Verbund mit Sowjetrussland (Herbst/Winter 1917/18), die Option eines von den Ritterschaften geführten gesamtbaltischen Ständestaates unter Anschluss an das deutsche Kaiserreich (Februar-November 1918), und schließlich die Option eines estnischen Nationalstaats vom November 1918 an, dessen Stabilisierung militärisch und außenpolitisch im Freiheitskrieg gelang, besiegelt durch den Dorpater Friedensschluss mit Sowjetrussland 1920.

Die Estländische Ritterschaft hat auch in der Zeit des 1. Weltkrieges bis in den Herbst 1917 die ihr aufgegebene Verwaltung Estlands ausgeübt. Entsprechend dem Autonomiegesetz der Provisorischen Regierung in Petrograd vom 30. März 1917 hat die Ritterschaft dann die landespolitischen Verwaltungsaufgaben den neuen estnischen Landesorganen übergeben, allerdings unter Protest. Die nachfolgenden Perioden der kommunistischen Herrschaft in Estland und der deutschen Militärverwaltung waren gerade auch in ihrer Gegensätzlichkeit Ausnahmezeiten, in denen die Estländische Ritterschaft Wirklichkeitssinn und Wunschdenken offenbarte. Wirklichkeitssinn im Hinblick auf die rettende militärische Besetzung des Landes durch die deutsche Armee zur Lösung aus dem Machtbereich des bolschewistischen Russland. Wunschdenken im Hinblick auf den Erhalt der eigenen Führungspositionen im Anschluss des Landes an das deutsche Kaiserreich. Als öffentlich-rechtliche Körperschaft wurde die Estländische Ritterschaft durch das Gesetz zur Aufhebung der Stände 1920 aufgelöst. Heimattreue und Loyalität haben Mitglieder der ritterschaftlichen Familien besonders als Angehörige des Baltenregiments und als Besitzer von Restgütern bewiesen.

Thomas Freiherr v. Dellingshausen (*1940) absolvierte das Studium der Osteuropäischen Geschichte, der allgemeinen Geschichte und der Slavistik in Bonn, Göttingen und Tübingen mit Abschluss M.A. Als Bundesbeamter war er lange Jahre als wissenschaftlicher Dokumentar und Experte für Regelwerke im Bereich der Informations-wissenschaften tätig. Als Enkelsohn des letzten Ritterschaftshauptmanns der Estländischen Ritterschaft Eduard Freiherr v. Dellingshausen-Kattentack (1863-1939) arbeitet er als Mitherausgeber der Reihe „Protokolle der Estländischen Ritterschaft“, die in Tartu im Nationalarchiv erscheint.