Die Veranstaltung findet am Donnerstag, den 3 . Februar 2022, um 18.00 Uhr, statt. Das Gespräch führen Terje Anepaio und Sören Marotz auf Estnisch und Deutsch, Dr. Ene Kõresaar moderiert. Der Vortrag wird per Zoom stattfinden. Die Teilnahme ist sowohl über die App als auch über Ihren Internet-Browser möglich. Um eine Zoom-Einladung zu erhalten, registrieren Sie sich bitte bis zum 2. Februar per E-Mail: [email protected].
Zum Thema:
Die alltägliche Vergangenheit der sozialistischen Periode hat in den postsozialistischen Gesellschaften eine ambivalente und kontroverse Bedeutung gehabt. Einerseits wurde die Erinnerung an das Alltagsleben als gefährliche Nostalgie betrachtet, die das Streben nach Befreiung vom Kommunismus delegitimiert. Andererseits ist die Auseinandersetzung mit dem sozialistischen Alltag Teil des Prozesses der Demokratisierung der Erinnerung. Museen spielen in diesem Prozess eine aktive Rolle.
Im Mittelpunkt der Diskussion stehen die Erfahrungen deutscher und estnischer Museen mit der Darstellung des sozialistischen Alltags: Mit welchen gesellschaftlichen Prozessen treten die Museen in einen Dialog? Welche Erfahrungen und Alltagsphänomene landen im Museum und warum? Wie könnte die Zukunft des sozialistischen Alltags im europäischen Kultur- und Gesellschaftsraum aussehen? Ausstellungen können nie neutral sein, sie stellen die Vergangenheit immer zwangsläufig aus einer bestimmten Perspektive dar. In Deutschland haben sich die Ausstellungen in den letzten 15 Jahren in Richtung einer substanzielleren Darstellung des Alltagslebens entwickelt, obwohl die Geschichten des Alltagslebens und der Herrschaft voneinander abhängig sind. Vielstimmigkeit ist zum Schlüsselwort in estnischen Museen geworden, um den Alltag in der sozia listischen Ära zu reflektieren, sowohl in Bezug auf die Erfahrung von Einzelpersonen als auch auf die kuratorischen Positionen.
Dr. Ene Kõresaar ist Professorin für Mündliche Geschichte und Erinnerungsstudien an der Universität Tartu, Estland. Sie hat Beiträge über die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Stalinismus, die Periodisierung der postkommunistischen Erzählung des 20. Jahrhunderts und die Dynamik des sozialen und kulturellen Gedächtnisses nach 1989 veröffentlicht. Sie hat mnemotechnische Prozesse in Oral History, Anerkennungspolitik an der Basis, Gedenkjournalismus und Museen untersucht. Dr. Kõresaar ist Herausgeberin und Mitautorin mehrerer Bücher und Sonderausgaben, zuletzt „Erinnerung an den baltischen Sozialismus: Erinnerung und Biographie seit 1989“ (Routledge 2018). Ihr aktuelles Projekt beschäftigt sich mit mnemonischem Pluralismus in baltischen Geschichtsmuseen.
Terje Anepaio ist Ethnologin und Forscherin-Kuratorin im Estnischen Nationalmuseum. Sie hat die Erinnerung an die stalinistischen Repressionen und die Erinnerungsarbeit der Verdrängten in Estland untersucht und dabei mit den Organisationen der Verdrängten zusammengearbeitet. Über Erinnerungsarbeit hat sie einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Wir erinnern uns! Wir gedenken!“ (ENM, 2012) gedreht. Im Estnischen Nationalmuseum hat Anepaio mehrere Ausstellungen über das Alltagsleben in der Sowjetära kuratiert (sowohl über Essens- als auch Jugendkultur). Als Mitglied des Kuratorenteams für die Dauerausstellung „Die Treffen“ (2016) des Museums arbeitete sie an dem Teil der Ausstellung, der hauptsächlich die Ära des Kalten Krieges widerspiegelt.
Sören Marotz ist Kurator des DDR-Museums in Berlin und Mitautor des Buches „DDR-Führer: das Buch zur Daueraustellung“. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Industriekultur, die Umweltbildung sowie die Regionalgeschichte Brandenburgs und die Geschichte der DDR. Marotz studierte Wissenschafts- und Technikgeschichte, Geographie sowie Neuere und Neueste Geschichte an der Technischen Universität Berlin und an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Magisterarbeit schrieb er zum Thema „Braunkohlebergbau in der DDR. Entwicklung und ökologische Aspekte der Förderbrückentechnologie“.
Hier finden Sie die Information zur Veranstaltung als pdf-Datei: Darstellung des (alltäglichen) Lebens in der ESSR und der DDR in Museen

