Im Rahmen der Vortragsreihe anlässlich des 100. Jahrestags der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Estland findet am Donnerstag, dem 28. Oktober 2021 der 7. Hybridvortrag statt. Dieses Mal behandeln JÖRG HACKMANN (Universität Stettin, Professor für osteuropäische Geschichte) und MARIS SAAGPAKK (Universität Tallinn, Dozentin für deutsche Kulturgeschichte und Literatur) das Thema „Von der Kulturautonomie bis zur Umsiedlung. Die deutschbaltische Minderheit zwischen den beiden Weltkriegen“.
Beginn: 18.00 Uhr (MEZ)
Auf Deutsch, nur mit vorheriger Anmeldung per E-Mail: [email protected]
Sie können dem Gespräch auch virtuell per Zoom folgen. Die Einwahldaten bekommen Sie nach der Anmeldung am Tag der Veranstaltung.
Zum Gespräch „Von der Kulturautonomie bis zur Umsiedlung. Die deutschbaltische Minderheit zwischen den beiden Weltkriegen “
Das Verhältnis zwischen Esten und Deutschbalten veränderte sich nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung der Republik Estland dramatisch – auf praktisch allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens – politisch, wirtschaftlich und kulturell. Der Wechsel von der „führenden Schicht zur „nationalen Minderheit“ stellte sowohl Deutschbalten wie Esten vor große mentale Probleme. Die Zeit danach ist in vielen deutschbaltischen Erinnerungen und literarischen Werken behandelt worden, sie war eine Zeit der Enttäuschungen und Beschuldigungen, aber auch eine Zeit der Erleichterung und des Neuanfangs. Die Deutschbalten waren zu einem Perspektivenwechsel gezwungen, die nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Vergangenheit in einem neuen Licht erscheinen ließ.
Politisch bot die Kulturautonomie eine Grundlage für die Wahrung der kulturellen Interessen der nationalen Minderheiten. In den Aktivitäten der deutschbaltischen Minderheitenpolitiker Werner Hasselblatt und Ewald Ammende zeichnete sich jedoch auch schon die Destruktion des Miteinanders ab. Die Aussiedlung der deutschen Staatsbürger seit Herbst 1939 beendete diese kurze Phase eines neuen, womöglich transkulturellen Miteinanders, die in der kollektiven Erinnerung von den Schrecken des Kriegs und der Besatzung durch Nazideutschland und die Sowjetunion verdrängt wurde.
Im Gespräch werden das kulturelle Mit- und Nebeneinander der Zwischenkriegszeit, auch seine politischen Schattenseiten erörtert.
Dr. Jörg Hackmann, Universität Szczecin, Professor am Historischen Institut und Direktor der Internationalen Zentrums für interdisziplinäre Studien der Universität Szczecin, Vizepräsident des Johann Gottfried Herder-Forschungsrats.
Dr. Maris Saagpakk, Universität Tallinn, Assoziierte Professorin für deutsche Kulturgeschichte und Literatur. Kuratorin des Curriculums Fremdsprachenlehrer MA
Von der Kulturautonomie bis zur Umsiedlung – das Gespräch am 28.10.21 – Einladung
